Interview im Way-Up Magazin (Mai 2004)

Um über Entstehung und Veränderung im Hause amYris, einer südhessischen Prog Band, zu blabbern, traf ich mich doch einfach mal mit Bassist (früher Gitarrist) Jürgen, Keyboarder Thomas und Sänger (einer von zweien) Lars.

Die obligatorische Einstiegsfrage bei Newcomerbands bzw. unbekannteren Gruppen: Was gibt es zu Entstehung der Band zu sagen?

Jürgen:
Die Band entstand eigentlich dadurch, dass ich Leute für eine Prog-Rock/Metal Band gesucht und diesbezüglich auch annonciert habe. Ein paar Monate später hat sich dann Viktor, unser ehemaliger Schlagzeuger, gemeldet. Wir hatten auch kurz mal einen Bassisten, der aber nicht lange dabei war. 1999 kam dann auch schon Thomas dazu, der Kai gleich mitgebracht hat.

Thomas:
Mit Kai hatte ich schon in einer anderen Band zusammengespielt. Als ich zu amYris stieß, war schon der Bassist nicht mehr dabei. Jürgen hatte mich deswegen auch gleich angehauen, ob ich nicht einen Bassisten kennen würde. Und Kai, eigentlich Gitarrist, hatte bei der alten Band aushilfsweise auch schon mal Bass gespielt. Ich rief ihn dann einfach mal an und sagte ihm: „Komm einfach mal mit und organisier dir irgendwoher einen Bass!“ Einen Bass konnte er nicht organisieren, aber er hatte einfach mal seine Gitarre mitgenommen. Wir haben das dann ausprobiert. Anfangs war Jürgen zwar nicht so glücklich damit, aber es hat ganz gut geklappt. Bis Januar 2000 haben wir dann mit Schlagzeug, zwei Gitarren und Keyboards gespielt und haben weiterhin versucht, einen Sänger zu finden. Keiner wollte so richtig passen, dann kam irgendwann halt Chris (mittlerweile auch Vergangenheit).

J: Mit Stefan hatten wir dann auch einen Bassisten. Im März 2000 haben wir uns dann auch schon ins Studio begeben (LFT Studios).

T: Insgesamt haben wir dort drei Sessions im Laufe des Jahres 2000 aufgenommen. Dadurch ist das erste Album herausgesprungen.

J: „Desolate Messiah“!

T: Und 2001 veröffentlicht. Da hatte jemand in Hofheim ein kleines Label, dem hatte unsere Musik gefallen und wollte uns unter Vertrag nehmen. Der Vertrag war eigentlich auch ganz in Ordnung und so wurde das Album über das Label veröffentlicht. Im Laufe 2001 wurde uns jedoch immer mehr bewusst, dass dieses Label bei weitem nicht die finanziellen Mittel hatte, dass Album ordentlich in die Läden zu bringen. Vertrieb gab es eigentlich keinen, dies geschah im Grunde nur über das Internet und Promotion gab es auch keine. Im Herbst 2001 kamen wir zu dem Entschluss, dass es keinen Sinn machen würden, weiter mit diesem Label zu arbeiten und auch das Label musste einsehen, dass sie es sich leichter vorgestellt hätten, diese Art von Musik zu verkaufen. So trennten wir uns in gegenseitigem Einvernehmen.


Gab es zur Gründung eine musikalische Vision, welchen Sound ihr für die Band entwickeln wollt?

J: Anständige, ehrliche Metal-Musik machen, die alles rausläßt. Alte Queensryche, die erste Dream Theater waren dabei meine Hintergedanken.

T: Wenn sich etwas in der Band abzeichnet, ist es das, dass keiner den gleichen musikalischen Background hat. Jürgens Background ist eben Queensryche, meiner ist eher alte Genesis/Marillion, von Kai ist es die Dream Theater/Pain Of Salvation - Richtung vermischt mit vielleicht Soilwork. Also Querbeet.

J: Aber bei allen Rock und Metal!

T: Was Visionen betrifft... Nun, sechs Leute in einem Proberaum – was dabei herauskommt, ist es. Wir legen uns da keine Grenzen auf.


Da kann es natürlich auch öfters mal rauchen, wenn jeder seine Ideen durchbringen will.

J: Ja, am Anfang öfters. Aber mittlerweile funktioniert es auch ohne, dass es rauchen muss. Ich bin eigentlich schon sehr band- und songdienlich eingestellt und auch versucht, das mit einzubringen.

T: Wir hatten da relativ schnell eine gemeinsame Linie gefunden. Wir versuchen eine gute Mischung aus allen Einflüssen zu finden. Wir legen uns zwar keine Grenzen auf, aber im Mittelpunkt steht der Song. Wir haben noch nie gesagt, da muss jetzt noch ein siebenminütiges Gitarrengefrickel rein oder dort ein achtminütiges Keyboardsolo. Wir schauen uns den Song an, was funktioniert und was nicht. Letzteres fliegt raus.


Am meisten gestört hat mich an „Desolate Messiah“ der Gesang, der ein wenig schwach und manchmal auch richtig daneben lag.

J: Ich muss dazu sagen, es war ursprünglich als Demo geplant und die Zeit war dadurch auch begrenzt. Für den Gesang muss man eigentlich die meiste Zeit beanspruchen. Aber im Grunde hast du Recht, das war auch von anderen Seiten immer der Hauptkritikpunkt, und auch der Grund, warum wir uns dann irgendwann von Chris trennen wollten.

T: Um gleich auch mal dazu zu kommen, warum Chris nicht mehr dabei ist... Das ergab sich nach der zweiten Scheibe „Desire For Justice“ (2002), welche schon mit neuen Drummer eingespielt wurde. Unser alter Drummer Viktor tendierte immer mehr Richtung Thrash und da gab es eine befreundete Thrash Band, deren Drummer mehr in Richtung Prog wollte. So haben wir einfach einen Drummertausch vorgenommen und sind zu Franz gekommen, mit dem wir ja immer noch zusammenspielen. Mit Franz haben wir „Desire For Justice“ aufgenommen. Danach merkten wir immer mehr, dass wir immer melodischer und verspielter wurden, dass es immer weniger mit den Vorstellungen zusammenpasste, die Chris hatte. Er wollte mehr straighten Metal Richtung Manowar machen. Das was er gesungen hat, wollte sich nicht mehr mit unseren Vorstellungen decken. März 2003 haben wir... Es fehlte einfach die Basis, wir hielten ihn in seiner Entwicklung auf und er uns in unserer.

J: Es ist aber nicht so, dass wir in großem Streit auseinander gegangen sind. Er singt jetzt bei der Band "Amity", mit welcher wir gemeinsam auch schon im Spritzenhaus aufgetreten sind. Er passt da meiner Meinung nach wunderbar rein.

T: Was wirklich für uns schade war, ist, dass Stefan, unser Bassist damals, die Band auch verließ, weil er keine Lust mehr hatte. Das war aber abzusehen, weil er seit Jahren sehr eng mit Chris befreundet war. Das fanden wir sehr schade, weil er auch ein begnadeter Bassist ist.

J: Irgendwie habe ich schon darauf spekuliert, dass Stefan die Band beim Ausstieg von Chris mitverläßt, und da ich bei Stronghold schon Bass gespielt hatte, bin ich dann auch hier von Gitarre auf Bass umgeschwenkt. Das spielt für mich auch überhaupt keine Rolle, Hauptsache banddienlich.

T: Gleich danach haben wir auch einige Jam Sessions abgezogen, um festzustellen, ob das auch so passt, dass Kai jetzt die volle Verantwortung für den Gitarrensound hat und Jürgen den Bass bedient.


Die Band ist ja jetzt ziemlich umgekrempelt gegenüber früher. Jürgen spielt jetzt Bass, nur noch eine Gitarre, aber zwei Sänger. Wie seid ihr jetzt eigentlich auf die Idee mit den zwei Sängern gekommen?

T: Mit Lars (einer der Sänger) war das ein bisschen tricky, denn gleich als Chris draußen war, sind wir einstimmig auf die Idee gekommen, Lars wäre der perfekte Mann. Damals war er noch bei Stronghold, deswegen hatte er gleich abgewunken, nach dem Motto „geht nicht“. Und Ende 2003...

J: Es ergab sich, dass Volker der Erste war, der als neuer Sänger in die Band kam. Er war eigentlich der Gitarrist von "Foren(sic) Alliance"...

T: Die Band, bei welcher unser alter Drummer jetzt spielt. Man kann sagen, er kam durch die Hintertür. Wir hatten schon die ganzen Jahre ein gutes Verhältnis. Es kam eigentlich so, dass er uns erzählt hat, er habe zu Hause schon mal ein paar unserer Songs besungen. Ich fand das gar nicht mal so verkehrt, was er da gemacht hatte.

J: Volker hat dann weitergemacht und kam immer wieder mit neuen Songs. Irgendwann haben wir uns gedacht „Das könnte was werden!“ und haben es dann erst mal ausprobiert. Zwischenzeitlich hatte sich Stronghold aufgelöst und Lars angefragt, wenn Volker mal etwas mit zwei Sängern machen wollte, sollten wir uns einfach mal melden. Das haben wir dann probiert.

Lars:
Das ganze ist eigentlich aus einer Bierlaune entstanden. Stronghold hatte einen Gig im Elfer gehabt und ich bin danach noch in den Proberaum einer befreundeten Band gegangen. Thomas war noch dabei und die befreundete Band, wir hatten eine Party. Ich hatte mich damals gefragt, wie man der Musik einen Kniff geben kann, um sich von anderen Bands zu unterscheiden. Sich einen bestimmten Stempel aufdrücken, der die Band zu etwas Besonderem macht. So kam die Vision zur Idee und die Idee zur Realität. Und drei Monate später, im September, bin ich dann zu amYris gestoßen.

T: Ich war gerade in Österreich und Jürgen hatte mich angerufen. Wir hatten mittlerweile schon drei Wochen mit Volker geprobt. Jürgen sagte nur: „Lars ist doch dabei!“ Tja, so probierten wir es mit Lars und Volker. Ich war auch von Anfang an begeistert davon.

J: Die beiden waren ganz schnell ein Arsch und ein Kopf, haha.

L: Wir haben einfach mal mit einem Song, den Volker schon fertig hatte, begonnen. Ich habe dann gesucht, wo es Lücken gibt, die ich ausfüllen könnte. Wir wollten da auch viel Gesang reinquetschen; auch wenn das jetzt negativ klingt, aber wenn man mehrere Minuten lang nur Instrumente hört, langweilt man oft viele Zuhörer. Okay, ich musste mir meinen Platz suchen und meine Räume schaffen. Aufteilungsmäßig sind wir zwei Kontraparts, ich bin eher der weiße Part und er eher der schwarze. Wenn man es ganz platt sagen würde, könnte man argumentieren, dass er die Schreierei und ich den Gesang übernehme.


Das wird dem Ganzen aber nicht gerecht, denn eigentlich kann man es eher als richtigen Wechselgesang sehen. Das so etwas im Prog-Bereich funktioniert, sieht man ja gerade an Ayreon oder Star One.

T: Du wirst lachen, an diesen Scheiben habe ich erkannt, dass progressive Musik mit mehreren Sängern funktionieren kann.


Interview: Marco K.