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Interview im Dark Feather Magazin (Februar 2010) Die Progressive-Metaller von AMYRIS aus Hessen sind schon über eine Dekade in der Musiklandschaft unterwegs und der ein oder andere Leser dürfte in der Vergangenheit schon mal über diesen Namen gestolpert sein. Momentan sind sie gerade dabei Ihr drittes Album fertigzustellen. Und ehrlich gesagt bei dem bisher Gehörtem lässt sich dem Releasedate eigentlich nur entgegenfiebern...! Ein herzliches Hallo vom Dark Feather! Für die, die Euch noch nicht kennen: Wer und was sind amYris? Zuerst einmal sind amYris fünf Musiker, die zusammen seltsame und völlig chartinkompatible Musik spielen: Kai Bender (Gitarren), Lars Bittner (Gesang), Franz-Josef Kowolik (Drums), Thomas Lehr (Keyboards) und Dominik Stotzem (Bass). Über das was amYris IST machen wir uns dabei eigentlich ehrlich gesagt nie wirklich Gedanken. Letztlich ist die Musik von amYris das Ergebnis von uns fünf, die zusammen Songs schreiben ohne sich dabei selbst irgendwelche stilistischen Grenzen zu verpassen. Dass das Endergebnis dann aktuell im weitesten Sinne in die Schublade „Progressive Rock / Metal“ passt, ist eher purer Zufall. Ihr seid schon etwas länger in der Musiklandschaft unterwegs. Habt Ihr schon immer den Stil zwischen Progressive Rock und –Metal gefahren oder beschritt man anno 1998 noch andere Wege? Wir waren sicher schon immer irgendwo „progressive“ in dem Sinne, dass wir oft lange komplizierte Songs geschrieben und für uns neue Dinge ausprobiert haben. Zu Beginn hatten wir allerdings noch einen ziemlichen Power-Metal Einschlag in unseren Songs, was sicher auch am Einfluss unseres damaligen Gitarristen und Bandgründers Jürgen und unserem damaligen Sänger Chris (dem vielleicht weltgrößten Manowar Fan auf diesem Planeten) lag. Als beide dann 2003 und 2005 aus der Band ausgestiegen sind, haben wir auch diesen Einfluss „verloren“, was aber auch ohne den Ausstieg der beiden so passiert wäre. Jeder von uns entwickelt sich ja, der Geschmack von jedem ändert sich auch über die Jahre hin und wieder, was natürlich auch auf die Musik von amYris abfärbt. Momentan seid Ihr gerade im Studio um Euer drittes Album fertig zu stellen. Könnt Ihr schon etwas zur Veröffentlichung, Titel und Inhalt verraten? Ja wir sind „immer noch“ im Studio muss man eigentlich schon sagen. Mit etwas Glück bekommen wir das Album dieses Jahr noch fertig. Die Aufnahmen sind schon seit einiger Zeit abgeschlossen, jetzt steht nur noch der finale Mix und das Mastering an. Kai (unser Gitarrist) hat bei diesem Album den Job des Toningenieurs übernommen und ist aktuell noch mit der Produktion des Albums einer anderen Band voll ausgelastet. Sobald demnächst diese Produktion abgeschlossen ist, wird er sich wieder an unser Album machen. Der Titel steht schon fest: „Progress II Process“ wird das neue Album heißen und 11 Songs beinhalten (was über 70min Spielzeit sein werden). Wer will kann auf unserer Webseite www.amyris.net bereits in einige der neuen Songs reinhören. Eure ersten beiden Alben „Desolate Messiah“ und „Desire For Justice“ habt Ihr relativ schnell nacheinander veröffentlicht. Was waren die Ursachen für die nun doch achtjährige Distanz zum zweiten Release? Zum einen hat sich in der Zeit zwischen „Desire For Justice“ und „Progress II Process“ die Band massiv verändert. Von den sechs amYris-Mitgliedern auf „Desire Fot Justice“ sind heute nur noch Kai, Franz und Thomas dabei, wir mussten zwischenzeitlich sowohl den Ausstieg unseres Gitarristen Jürgen als auch den Ausstieg unseres alten Sängers Chris und von Bassist Stefan verkraften. Gerade einen neuen Sänger zu suchen, speziell für die Musik wie wir sie nunmal machen, ist ja nicht gerade einfach. Da fühlt man sich oftmals wie Dieter Bohlen bei DSDS, wenn sich mal wieder ein neuer Sänger vorstellt, der anscheinend sonst nur daheim in der Dusche gesungen hat. Das hat also schon einmal Zeit gebraucht. Und zu guter Letzt haben wir dann bei den Aufnahmen noch Erfahrungen gesammelt mit dieser seltsam gefährlichen Mischung aus kompletter Eigenproduktion und mangelndem Zeitdruck. Die ersten beiden Alben haben wir in den LFT-Studios von Marc Bugnard aufgenommen, was sowohl bedeutete, dass jeder Tag natürlich Geld kostete und im Positiven die Tatsache mit sich brachte, dass man mit Marc jemanden hatte, der einen disziplinierte („das ist geil, das bleibt so!“ „Nein wir haben keine freien Spuren mehr!“ „Ihr habt nur noch 2 Tage!“). Beim neuen Album wollten wir die totale Kontrolle über das Endresultat haben, was bedeutete, dass wir uns ein eigenes Studio eingerichtet haben und das Album komplett selbst aufgenommen haben. Dadurch hatte jeder alle Zeit der Welt um seine Parts und Sounds auszuarbeiten, was sicher das Album im Vergleich zu den Vorgängern deutlich aufwertet. Gleichzeitig haben wir aber so nebenbei schlicht vergessen, jemanden von uns rauszudeuten, der die Zügel in der Hand hält, der sagt „Jetzt ist aber mal gut, bis übernächsten Monat ist das Album fertig!“. Aber jetzt sind wir endlich auf einem guten Weg, das Projekt abzuschließen! Wie vertreibt Ihr eigentlich Eure Musik? Da wir aktuell kein Plattenlabel haben (Angebote werden natürlich jederzeit dankend entgegengenommen), vertreiben wir bis dato unsere Musik sowohl über unsere eigene Webseite www.amyris.net, über MySpace und bei Konzerten. Sobald unser drittes Album fertig ist, planen wir auch den Vertrieb über Online-Downloadportale wie iTunes. Der „alte“ Verkauf von CDs funktioniert heutzutage nicht mehr wirklich. Gerade für kleine Bands wie uns lohnt es sich nicht mehr, die eigenen Alben teuer auf CDs herzustellen, da leider immer weniger gewillt sind, die dann nötigen Preise dafür zu zahlen, damit es sich für uns finanziell noch rentiert. Über Online-Plattformen erreicht man dagegen viel eher auch überregional mehr Leute, auch im Ausland. Persönlich finden wir diese Entwicklung schon schade, denn eine CD mit Booklet in Händen zu haben ist dann doch noch immer ein anderes Gefühl, als eine Mp3 auf der Festplatte. Interessant finde ich den sehr druckvollen und frischen Sound, den Ihr in das Genre hineinbringt. Folge einer langen Bandentwicklung? Erst einmal Danke für das Lob. Natürlich ist das zum einen die Folge von doch mittlerweile schon über 10 Jahren Bandgeschichte (oh mein Gott…), in der man viele Einflüsse gesammelt hat. Zum anderen hat fast kein Bandmitglied von uns den gleichen musikalischen Background. Kai ist Fan von Bands wie Dream Theater, Soilwork, Mnemic und Pain of Salvation und spielt als Nebenprojekt noch in einer Band, welche sich dem „Djent“-Stil a la Meshuggah verschrieben haben. Thomas kommt dagegen z.B. eher aus der Neo-Prog Richtung (frühe Genesis, Marillion, Ayreon, usw.). Diese Unterschiede ergeben für die Musik von amYris oft interessante musikalische Ergebnisse und verhindern (hoffentlich) auch, dass wir wie eine bloße Kopie eine der genannten Bands klingen. Dazu kommt auch, dass wir keinen Bandchef haben, der alle Songs alleine schreibt, sondern dass alle Songs im Großen und Ganzen von der kompletten Band zusammen geschrieben werden. Gab es bei einer so langen Bandgeschichte eigentlich jemals Labelkontakte oder beschreitet Ihr da bewusst andere Wege? Nein wir sind nicht bewusst „labellos“, bisher hat sich nur (fast) keiner für uns interessiert. Es gab mal beim allerersten Album „Desolate Messiah“ eine Ausnahme. Damals hatten wir einen Plattendeal mit einem kleinen Label abgeschlossen. Allerdings haben wir schnell gemerkt, dass das Label positiv ausgedrückt zu klein war, um uns so zu supporten, wie es nötig gewesen wäre. Sie haben einfach das bereits von uns fertig produzierte Album rausgebracht und von etwas Pressebemusterung abgesehen keinerlei Werbung dafür gemacht. Und von den Verkaufserlösen ist im Gegensatz dafür kaum etwas bei uns hängen geblieben. Letztlich haben wir dann gesehen, dass sie nichts für uns gemacht haben, was wir nicht genauso auch hätten selbst tun können. Zum Glück sind wir recht einfach wieder aus dem Deal herausgekommen und vermarkten uns seitdem selbst. Wenn natürlich eines Tages ein akzeptabler Plattendeal auf unseren Tisch flattert, denken wir gern nochmal darüber nach, solange wir dabei die Kontrolle über unsere Musik behalten. Wann kann man amYris demnächst wieder live erleben? Aktuell stecken wir bereits tief im Songwriting zum vierten Album. Fest geplant ist aktuell noch nichts, definitiv werden wir aber im Laufe des Frühjahrs und Sommers im Rhein/Main-Gebiet wieder einige Konzerte geben. Dann auch bereits mit neuen Songs. Sobald neue Gigs bestätigt sind, kündigen wir das immer sofort auf unserer Webseite an. Also öfters mal vorbeischauen! Zum Abschluss die 3 Standardfragen vom Dark Feather: Wie seht Ihr die Entwicklung für Bands speziell in Subkulturen wie der Metal- und artverwandten Szene(n)? Absolut gesehen ist die Entwicklung der letzten Jahre ja sehr zu begrüßen, nachdem bis vor ein paar Jahren ja im „Mainstream“ nur Plastik-Pop und HipHop vorgeherrscht hatte. Allgemein sind Metalbands aller Spielarten ja seit einiger Zeit wieder sehr angesagt. „Nightwish“ oder „Within Temptation“ auf der einen Seite genauso wie Bands wie „Soilwork“ oder auch Bands wie „Porcupine Tree“ und „Dream Theater“ auf der anderen Seite. Wenn die Popwelt sogar meint, darauf mit Dingen wie „Lafee“ reagieren zu müssen, ist das schon sehr bezeichnend, wie populär die härtere Musik mittlerweile wieder ist. Leider stellen wir aber auch selbst fest, dass davon die kleinen regionalen Bands nicht viel haben. Die Möglichkeiten aufzutreten werden immer weniger. Immer weniger Clubs bieten einem die Möglichkeit aufzutreten oder spezialisieren sich auf bestimmte härtere Metal-Genres, in die z.B. wir nicht reinpassen. Dazu kommt, dass immer weniger Leute bereit sind, ihr Geld in Konzerte kleiner unbekannter Bands zu investieren. Es mangelt allgemein immer mehr an Zuschauern und damit an potentiellen Fans. Und wie bereits erwähnt sinkt auch die Bereitschaft, die Alben dieser Bands zu kaufen (obwohl diese bereits deutlich weniger kosten als Alben bekannterer Bands). Welche Vor- und/oder Nachteile seht Ihr in großen Webcommunities wie z.B. myspace? Nachteile haben diese Plattformen eigentlich nur für Privatpersonen, die darüber unabsichtlich mehr Informationen über sich preisgeben, als es vielleicht für sie gut wäre. Für Bands wie uns haben diese Plattformen dagegen eigentlich nur Vorteile. Man kann sich viel leichter als früher der Öffentlichkeit präsentieren und erreicht sehr schnell und einfach auch überregional Leute, die sonst vielleicht nie von einem gehört hätten. Was waren bei Euch die bisher positivsten, schrägsten und was die schlechtesten Erfahrungen in der Musikwelt? Da gab es sicher im Laufe der Zeit so einiges. Die bisher positivste Erfahrung war sicher unser Gig als Supportband für Queensryche. In einer großen Halle auf einer großen Bühne vor diesen vielen Leuten seine eigene Musik spielen zu können, das hatte schon was. Vor allem weil die Musiker von Queensryche für einige von uns sowas wie die Helden der eigenen Jugend sind. Und dann diese „Helden“ backstage z.B. Spongebob schauen zu sehen, hat auch schon etwas sehr schräges für sich. Die schlechteste Erfahrung war sicherlich bisher neben der Sache mit der Plattenfirma unser Gig als Support für Exilia. Durchgeknallte Band, aber sehr nette Menschen! Nur waren wir an dem Abend wohl die völlig falsche Band für deren Publikum. Die haben auf alles nur nicht auf uns gewartet. Nach dem ersten Song gab es so gut wie keinen Applaus, absolut keine Reaktion vom Publikum, wir sahen nur in offene Münder. Das ist quasi der Alptraum eines jeden Musikers auf der Bühne. Wir haben uns dann aber schnell gesagt „Jetzt erst recht! Denen zeigen wir’s!“ und am Ende hatten wir sie dann doch ganz gut auf unserer Seite. Ich bedanke mich für dieses Interview, die letzten Worte gehören dem Künstler! Wir möchten uns nochmal bei Euch für Euren Support bedanken. Macht weiter so und supportet den Underground! Über Feedback von Euren Lesern auf unserer Webseite oder über MySpace würden wir uns natürlich freuen. Hoffentlich treffen wir möglichst viele Eurer Leser (und Euch natürlich auch) auf einem unserer nächsten Konzerte! Interview: Holger Warschkow www.darkfeather.net |